Risiken beim Crowdinvesting – Geldanlage in partiarische und Nachrangdarlehen

Am 29. November 2017 hatte die BaFin einem Anbieter namens W&K Financial Group das öffentliche Angebot von partiarischen Darlehen untersagt, weil der Anbieter keinen von der BaFin gebilligten Verkaufsprospekt veröffentlicht hat.

Partiarische Darlehen sind Vermögensanlagen, die im Vermögensanlagengesetz (§ 1 Abs. 2 Nr. 3 VermAnlG) geregelt sind. Charakteristisch für diese Art Geldanlage ist, dass der Anleger einem Unternehmen für eine vertraglich vereinbart Zeit Kapital zur Verfügung stellt und dieses verzinst wird und der Anleger eine (geringfügige) Beteiligung am Gewinn des Unternehmens erhalten soll. Riskant daran ist, dass der Anleger im Falle einer drohenden Insolvenz kein Geld erhält bzw. beim Eintritt in die Insolvenz erst nach allen anderen Gläubigern bedient wird.

Für Startups bietet sich die Möglichkeit, kostengünstig und ohne Bonitätsprüfung einer Bank an Investitionskapital zu kommen, wenn das Startup das Einsammeln des Geldes über eine Internetplattform vornimmt (Crowdinvesting). In diesem Fall muss das Startup keinen Verkaufsprospekt erstellen, sondern nur ein dreiseitiges Vermögensinformationsblatt (VIB), dessen Inhalt in § 13 VermAnlG vorgegeben ist.

Die Plattformen, über die die Startups ihre Angebote abgeben, stellen vorformulierte Verträge zur Verfügung. In der Regel wird in diesen und auch in den VIBs auf das Risiko der Anlage hingewiesen.

„Dennoch“, so Rechtsanwältin und Fachanwältin Beate Anna Kirchner von der Frankfurter Kanzlei Kirchner Warkentin, „haben wir schon Verträge und VIBs gesehen, bei denen relevante Angaben gem. § 13 VermAnlG fehlen, wie z.B. den auf der Grundlage des letzten aufgestellten Jahresabschlusses berechneten Verschuldungsgrad des Emittenten.

Kommt es dann zum Ausfall der Zins- und Kapitalrückzahlung, können Anleger Ansprüche gem. § 22 VermAnlG auf Rückabwicklung gegenüber dem Anbieter geltend machen.
Dies könnte für Anleger der Sashay GmbH interessant sein. Das Unternehmen, das via seedmatch.de 820.250 Euro für die Herstellung von Surfboards eingesammelt hat, hat nämlich im Frühjahr 2017 Insolvenz angemeldet.

„Unseres Erachtens könnte es sich auch bei Seedmatch um einen Anbieter gem. § 22 VermAnlG handeln und dann stünden auch Ansprüche gegen die Plattform im Raum“, so Rechtsanwältin Kirchner. Jedenfalls sollten die einzelnen Klauseln des abgeschlossenen Darlehensvertrages auf Wirksamkeit geprüft werden, so Kirchner.

Die Vertragspartner von W&K Financial Group sollten gem. § 21 VermAnlG wegen des fehlenden Prospekts Erstattung des investierten Kapitals verlangen.

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